Die Erbschaftssteuerreform und ihre Auswirkungen auf Unternehmen - UVM Akademie

 

In der Erlebnisdestillerie Lantenhammer in Hausham erläuterte der auf Erbrecht und Erbschaftssteuerrecht spezialisierte Rechtsanwalt Christoph Thierfelder Die Erbschaftssteuerreform und ihre Auswirkungen auf Unternehmen für das interessierte Publikum beim UVM Impulsvortrag am Dienstag, den 15.11.2017.

Im ersten Teil des Vortrags stellte der Referent die Rahmenbedingungen für die neue Erbschaftsreform vor. Da das bisherige Erbschafts- und Schenkungsrecht Verfassungswidrigkeiten enthielt verlangte das Bundesverfassungsgericht eine Neuregelung bis zum 30.06.2016. Nachdem im Juni 2016 der Gesetzentwurf im Bundestag eingereicht wurde konnte jedoch erst drei Monate nach Ablauf der Frist, am 14.10.2016 das neue Gesetz verabschiedet werden. Trotz verfassungsrechtlicher Bedenken wurde eine rückwirkende Geltung des Gesetzes für Fälle ab dem 01.07.2017 beschlossen. Die Länder haben in der Folge ein internes Regelwerk für die Finanzverwaltung erarbeitet, wie das Gesetz umzusetzen und auszulegen sei. Dieser sog. Anwendungserlass war dem bayerischen Finanzministerium jedoch zu restriktiv, weshalb er in Bayern als einzigem Bundesland nicht angewandt wird. Für die bayrischen Unternehmen bedeutet dies die Hoffnung auf eine weiterhin unternehmerfreundlichere Auslegung des Erbschaftsrechts.

Im folgenden Teil des Vortrags klärte Herr Thierfelder über die konkreten Änderungen des Gesetzes für die Unternehmen auf. Die Übertragung von Unternehmensvermögen wird weiterhin unter bestimmten Voraussetzungen begünstigt. Sowohl bei der 85% Regelverschonung als auch bei der 100% Optionsverschonung gilt jedoch eine angepasste Lohnsummenregelung und Behaltensfrist. Verändert hat sich in beiden Fällen die Ausnahme der Lohnsummenregelung, welche zuvor Betriebe bis 20 Mitarbeiter betroffen hat und nun auf 5 Mitarbeiter herabgesetzt wurde.

Bei der Übertragung von Großvermögen (über 26 Mio.) sieht der Gesetzgeber eine Verschärfung der Auflagen für die Steuerfreistellung vor. Hier haben die davon betroffenen Unternehmen die Wahl zwischen einer Verschonungsbedarfsregelung und dem Abschmelzmodell.

Änderungen gab es auch im Bereich Verwaltungsvermögen, Investitionsklausel, Stundungsmöglichkeiten und dem Wertabschlag für Familienunternehmen. Auch wenn die Folgen der Änderungen sich insbesondere auf Großunternehmen auswirken, rät Herr Thierfelder den Anwesenden dazu, dass auch kleine und mittlere Unternehmen die Aspekte in ihre Steuerplanung einbeziehen um Überraschungen und zu hohe Steuern zu vermeiden.

Abschließend gibt Herr Thierfelder den Unternehmern noch den Hinweis, dass das Denken in 10-Jahres-Zeiträumen sich positiv auswirken kann und Firmeninhaber sich frühzeitig mit dem Thema Firmenübergabe beschäftigen sollten damit ihnen die Mehrzahl an Gestaltungsmöglichkeiten offensteht und der Unternehmenserfolg langfristig gesichert ist.

Zurück